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Das Privatleben Des Sherlock Holmes
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Lob und Kritik

Das Privatleben des Sherlock Holmes
Jahr: 1970

Regisseur:

- Billy Wilder

Schauspieler/Schauspielerinnen:

- Robert Stephens
- Colin Blakely




Kulturelle Grundausstattung für Cineasten

Bei seiner Premiere 1970 ein Flop und von der Kritik verrissen, zählt "Das Privatleben des Sherlock Holmes" heute unbestritten zu Wilders besten Werken. Im Spätwerk des Regisseurs nimmt dieser Film eindeutig den Spitzenplatz ein.
Anhand eines Kriminalfalls zeichnet der Film mit überaus sorgfältigen Mitteln die gegensätzlichen Charaktere des Meisterdetektivs Sherlock Holmes und seines Adlatus Dr. Watson.<BR>Rasante Handlung und grelle Satire darf man hier nicht erwarten: Es ist ein Film der leisen Töne mit einem ruhigen Handlungsfluss und einer heiter-melancholischen Grundstimmung.
Die wunderbare Farbgestaltung, die opulente Einrichtung (gestaltet von Alexander Trauner) und die pointiert eingesetzte Musik machen diesen Film zu einem optischen und akustischen Genuss.
Die Filmfassung auf DVD ist ausgesprochen lieblos ediert (deshalb auch keine fünf Sterne). Trotzdem: für Cineasten gehört "Das Privatleben des Sherlock Holmes" zur kulturellen Grundausstattung.


Ein grandioser Sherlock Holmes

Sherlock Holmes wird in sehr vielen Filmen als der begnadete, geradezu geniale, Analytiker dargestellt, den A.C. Doyle in seinen Werken beschrieben hat. Doch selten wurde dem Meisterdetektiv auch nur annähernd so viel Leben eingehaucht wie in diesem Film.<BR>Holmes wird glänzend dargestellt als Mann mit bissigem Humor, Emotionen und auch mit Problemen. Die Drogensucht, die in den Büchern einige Male erwähnt wird, wird in den anderen Holmes-Filmen bestenfalls unauffällig gestreift. Nicht hier. In diesem Film steht man zur literarischen Figur ohne dem Image des Helden zu schaden.<BR>Auch auf andere typische Holmes-Merkmale wie z.B. Gardeobe oder Geigenspiel wird eingegangen und dient gleichzeitig als humoristische Aufwertung.<BR>Nun könnte man meinen, Das Privatleben des Sherlock Holmes würde das literarische Geschöpf Doyles auf die Schippe nehmen aber das Gegenteil ist der Fall. Mit einem Augenzwinkern stellt der Film einen Krimi auf die Beine, der den Vergleich zum 'echten' Holmes absolut nicht scheuen muß.


Wunderbarer Spätfilm von Billy Wilder

Wenn man die großartigen Meisterwerke von Billy Wilder aufzählt, fällt einem dieser Spätfilm von 1970 sicher nicht ein. Bei der Premiere war er bereits ein Flop und auch die Kritiker ließen kein gutes Haar an ihm. Wilder kürzte den Film von 180 auf 120 Minuten, aber auch das rettete ihn nicht. <BR>Mit der Zeit wurden die Kritiken immer besser. Man erkannte die wunderbare Leichtigkeit mit der diese Krimikomödie inszeniert wurde. Dazu legt sich über allem ein leichter Schleier der Melancholie. Wilder verarbeitet in diesem Film sein ambivalentes Verhältnis zu Deutschland. Er, der erste Erfolge Ende der Zwanziger feiern konnte und dann vor den Nazis nach Hollywood floh, zeigte schon in "Foreign Affair" (mit Marlene) und in "Eins, Zwei, Drei" wie er sich mit den Deutschen vertragen hatte, aber der Film "Das Privatleben des Sherlock Holmes" zeigt auch eine leise Traurigkeit, der man sich erst bei mehrmaligem Sehen bewußt wird. <BR>Vordergründig ist es eine liebevolle Demontage des Detektivengenies, der schon in den Büchern von Conan Doyle ein angespanntes Verhältnis zu Frauen an den Tag legte. Eigentlich sind es 2 Geschichten, die zunächst nicht viel miteinander zu tun haben. Holmes soll einer alternden Primaballerina den langgehegten Kinderwunsch erfüllen. Auf unorthodoxe Art und Weise zieht sich der Detektiv aus der Affaire. Hier lacht man sich schon völlig schlapp. Dann wird es spannend. Eine mysteriöse Belgierin verwickelt das Meisterhirn und seinen ständigen Begleiter Dr. Watson in einen verzwickten Fall, der sie nach Schottland führt. Ein nebliger See, ein Ungeheuer, 6 kleinwüchsige Zirkusartisten, eine hochgestellte Persönlichkeit und ein Damenschirm führen dann schließlich zur Lösung. <BR>Der Film kann nicht mit bekannten Darstellern (außer Sir Christopher Lee) aufwarten - das hatte Wilder auch nicht beabsichtigt -, die geben ihm aber eine besondere Note, dazu werden wunderbar spritzige Dialoge vom Stapel gelassen, die nur von dem Altmeister Wilder stammen können. Schade, daß die rausgeschnittene Stunde wahrscheinlich für immer verloren gegangen ist. <BR>Der Film ist ein wirklicher Genuß und die 2 Stunden vergehen wie im Fluge und wie bei jedem "Wilder-Film" gilt: "Mehrfach anschauen!!"





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