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101 Reykjavik
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Baltasar Korm Kur
101+reykjavik
Jahr: 2000
Klassifikation: Themenwelten - Arthaus-DVDs

Regisseur:

- Baltasar Kormákur

Schauspieler/Schauspielerinnen:

- Victoria Abril
- Hilmir Snaer Gudnason




Die unerträgliche Leichtigkeit des isländischen Seins

Bislang galt Island, was das Filmschaffen betrifft, als terra incognita. Selbst hartgesottene Cineasten taten sich schwer, auch nur eine Leinwanderzählung anzuführen - lediglich Sängerin Björk, die ihre ätherische Stimme zeitweise in den Dienste von Soundtracks stellt, ist hinlänglich bekannt. Mit „101 Reykjavik" hat Frau Gudmundstóttir allerdings nichts zu schaffen. Verantwortlich für den Film zeichnet Baltasar Kormákur, der einen Roman seines Landsmannes Hallgrímur Helgason für das Kinopublikum aufbereitete. Skandinavische Schützenhilfe zur Realisierung des Streifens kam aus Dänemark und Norwegen. Eher überraschend ist das Mitwirken einer Spanierin in „101 Reykjavik", nicht nur irgendeiner, sondern von Victoria Abril, bekannt aus zahlreichen Filmen von Regisseur Pedro Almodóvar („Atamé!", „Kika").
101 ist die Postleitzahl für das Stadtzentrum Reykjaviks, den ältesten Teil der isländischen Hauptstadt, wo die so genannte „kulturelle Elite" beheimatet ist. Auch Hlynur, Bohemien und zentrale Figur des Filmes, wohnt dort; bei seiner Mutter wohlgemerkt. Dreißig Jahre hat der Langzeitarbeitslose auf Buckel. Seine Tage beginnen mit Selbstbefriedigung und enden wenn nicht mit selbiger, dann mit einem schnellen sexuellen Vergnügen zu Lasten seiner gefühlsmäßig ausgezehrten Freundin Hófí. Zwischendurch surft er durchs Internet, konsumiert gelangweilt Pornos oder zieht mit Kumpanen von Theke zu Theke. Seine alleinstehende Mutter macht Hlynurs Heim so behaglich wie möglich. Vater gibt es auch, in Form eines gebrochenen Quartalsäufers, der dem Sohn schon mal über den Schnee gesäumten Weg läuft - bzw. auf diesem liegt.
Mitten ins alteingespielte tägliche Ritual der Trostlosigkeit platzt Lola (Victoria Abril), eine spanische Flamencolehrerin, bei der Hlynurs Mutter Kurse belegt hat. Das iberische Energiebündel erregt nach dem Einzug in die Mutter-Sohn-Wohnung nicht nur die ungeteilte hormonelle Aufmerksamkeit des unterkühlten Nordländers, sondern sorgt ungewollt für die seit langem notwendige Wende in dessen Leben. Hlynur entdeckt einen Sinn, wenn dieser vorerst auch nur darin besteht, das Interesse seiner exzentrischen Angebeten zu wecken. Als die Mutter über Silvester zu Verwandten reist, werden die Tagträume des Sohnes Realität. Nach reichlichem Alkoholkonsum kommt es zur stürmischen Kopulation mit Lola. Liebesnacht wäre wohl der verfehlte Ausdruck.
Kaum ist die Mutter zurück, eröffnet sie Hlynur mit tränenumflorten Augen, dass sie seit langem lesbisch sei, Lola liebe und mit dieser das weitere Leben verbringen möchte. Mit dem gleichgeschlechtlichem Outing hat Hlynur kein Problem, im Gegenteil, er bestärkt das verunsicherte Mutterherz. Weit mehr Kopfzerbrechen bereitet ihm die Tatsache, selbst


Filmjuwel aus Island

Woran liegt es eigentlich, dass in Skandinavien immer wieder neue spannende, skurrile und überraschende Filme gedreht werden, während hierzulande bloss über fehlende Produktionsmittel lamentiert wird? Man weiss es nicht. Vielleicht verfügen die Nordlichter einfach über mehr Phantasie oder mehr Ironie. Oder beides. "101 Reykjavik" ist die charmante Geschichte eines liebenswert verschrobenen jungen Mannes, der sich weigert, von zuhause auszuziehen und erwachsen zu werden, während seine Mutter plötzlich den zweiten (lesbischen) Frühling erlebt.
2 Sterne Abzug einmal mehr für die fehlende O.m.U.-Version auf dieser DVD. Schade.


Witzig-skurriles Nordlicht

Hlynur ist ein totaler Langweiler. Unterstrichen wird das durch sein völlig weltfremdes Styling (Hornbrille, Retro-Haarschnitt). Mit 28 lebt er noch im Hotel Mama. Er ist arbeitslos, weil er nicht arbeiten will; und suhlt sich im Selbstmitleid, Selbstgerechtigkeit und Zynismus seiner Existenz. Sein existenzielles Philosophieren gipfelt in der folgenden Erkenntnis: "Das Leben ist eine Pause vor dem Tod." Als Antithese ist dem Film folgendes Motto vorangestellt: "Man kann nicht dauernd tot sei."<BR>Hlynur hängt in Bars herum, trinkt und hat Sex mit seiner exaltierten Freundin Hofy. Dabei ist er völlig beziehungsunfähig und unflexibel. In sein bequem eingerichtetes Leben kommt erst Unruhe, als Lola, die Flamenco-Lehrerin seiner Mutter, bei ihnen einzieht. Zu allem Überdruss outet sich seine Mutter noch Liebhaberin von Lola. Hlynurs überschaubare kleine Welt bricht langsam zusammen, so dass er sich in der Dauerkrise befindet.<BR>"101 Reykjavík" ist eine charmant-skurrile und atmosphärisch dichte Komödie, deren spezielle nordische Optik auf das Leben besonders in der isländisch-englischen Originalfassung gut zum Tragen kommt. Ein witziges Detail der Originalfassung ist übrigens, dass ein Kollege von Hlynur einen deutschen Dialog aus einem Porno nachspricht. Von den liebenswerten Schauspielern ist besonders Victoria Abril, der aus Almodóvar-Filmen bekannte spanische Superstar, hervorzuheben. Mit einer lässigen Ungezwungenheit spielt sie die laszive Lola.





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